Freireisende Wandergesellen

Wandergesellen, die frei reisen und nicht in einem Schacht organisiert sind, gibt es seit der Entstehung der Tradition der reisenden Handwerker.

Heutzutage können sich Frauen und Männer sämtlicher Handwerksberufe „freireisend“ auf traditioneller Wanderschaft befinden.

Die Gesellen werden ihrer Heimat fremdgeschrieben und am Anfang ihrer Reisezeit von einem „Exportgesellen“ begleitet, der in der Funktion eines Mentors die Aufgabe übernimmt, das traditionelle Reisen zu lehren, sowie überlieferte Regeln, Gebräuche und generationsübergreifende Erfahrungen weiter zu geben.

Die Grundsätze der Wanderschaft stimmen mit denen der Schächte überein, wie zum Beispiel das Tragen der Kluft, die 50km-Bannmeile um den Heimatort, etc. Die Mindestreisezeit beträgt wahlweise zwei oder drei Jahre und einen Tag und wird vor dem Losgehen festgelegt. Äußerlich erkennbar sind „freireisende“ Gesellen durch den eingeschlagenen Kragen ihrer Staude (Hemd), in dem sie keine Ehrbarkeit (Krawatte oder Handwerksnadel) tragen.

Von den schätzungsweise 700 - 800 Wandergesellen, die sich im Moment auf ihrer traditionellen Wanderschaft befinden, ist der größte Teil „freireisend“.

Es gibt vier schachtübergreifende Herbergen, die allen Wandergesellen zugänglich sind. Sie befinden sich auf Rügen, Neustadt an der Weinstrasse, Leipzig und Hermannstadt.

Von „freireisenden“ Wandergesellen werden seit einigen Jahren regelmäßig schachtübergreifende Treffen und gemeinsame Sommerbaustellen organisiert.

Es wurde bewusst darauf verzichtet „Die Freireisenden“ zu schreiben, da es sich um keine organisierte Gruppe mit festen Strukturen handelt. Denn jeder ist fremd der Heimat und frei in seiner Entscheidung.

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