Rechtschaffene fremde Maurer und Steinhauer

Traditionelle Gesellenvereinigung für Maurer, Steinmetze, Schmiede, Stuckateure, Steinsetzer, Betonbauer, Schlosser, Klempner und Garten-, Landschaftsbauer.

Die einzige Gesellschaft ohne Holzgewerke…

Von der Anzahl der Reisenden her die kleinste Gesellenvereinigung, dadurch allerdings sehr familiär.

  • Erkennungszeichen: Schwarze Ehrbarkeit.
  • Erwandert ausschließlich Männer.
  • Gründungsmitglied der CCEG (Confederation Compagnonnage europèen, europäische Gesellenzünfte)

In früheren Jahrhunderten gehörte zu der privilegierten Zunft der Maurer und Steinhauer neben der Meisterlade auch die gemeinschaftliche Lade der einheimischen und fremden Gesellen.

Die rechtschaffenen fremden Gesellen bildeten unter sich eine geheime Verbindung, deren Ursprung sowohl in den Bauhütten wie auch in den städtischen Maurerbrüderschaften des späten Mittelalters zu suchen ist.

Noch in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestand für die Maurergesellen in Norddeutschland Wanderpflicht. Für die jungen Ausgelernten war mit Antritt der Wanderschaft auch die Aufnahme in die Gesellenbruderschaft verbunden. Stand, Brauchtum und soziale Absicherung machten die Zugehörigkeit zur alten Solidareinrichtung der rechtschaffenen Fremden notwendig, denn ohne die Bruderschaft fand der Geselle so leicht keine Arbeit, keinen gerechten Lohn, keine Reisegefährten, keine Hilfe im Krankheitsfall und auch kein anständiges Begräbnis.

Gewerbefreiheit und Zunftauflösung um 1860 wirkten sich auf die eigenständige Fremdenverbindung nicht unmittelbar aus. Sie betreute die reisenden Gesellen und pflegte weiter Handwerksbrauch und Gewohnheit.

Bis auf wenige im 19. Jahrhundert vorgenommenen Korrekturen - dazu zählt der Zusammenschluß der Fremden und Einheimischen - konnten sich Brauchtum und Überlieferung bei den rechtschaffenen Maurern und Steinhauern nachweislich seit mehr als zweihundert Jahren unverändert erhalten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich aus der modischen Volkstracht der reisenden Gesellen die heutige, ins Auge fallende Kluft mit dem charakteristischen Gepräge. Beibehalten über die Zeiten blieb die alte zünftige Ausstattung, bestehend aus einem schwarzen Hut, schwarzen Schuhen, einem Jackett mit mindestens drei Knöpfen sowie der Verzicht auf grüne Farben. Als wichtigstes Zeichen der Zugehörigkeit verdrängte die Krawatten-ähnliche schwarze Ehrbarkeit das bunte Halstuch.

Mobilität und Berührung mit dem Gedankengut der im 19. Jahrhundert aufkommenden Arbeiterbewegung ließ die rechtschaffenen Fremden zu eifrigen Förderern des Gewerkschaftsgedankens werden. Diese Entwicklung verstärkte sich Anfang des 20. Jahrhunderts und hinderte die Nazis daran, die alte zünftige Gesellenbruderschaft als Wanderorganisation der sog. Deutschen Arbeitsfront gleichzuschalten. In der Auseinandersetzung mit der Deutschen Arbeitsfront bewährte sich das Geheimhaltungsgebot. Seit dem späten Mittelalter galt das Verbot, anderen etwas von den Heimlichkeiten des Handwerks zu offenbaren. Dieses Verbot hat in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts dazu beigetragen, den staatlichen Unterdrückungen und Koalitionsverboten zu widerstehen.

Seit 1890 - nach Ende der Zunftwirtschaft - traten neue Schächte reisender Bauhandwerker in Erscheinung.

Zwischen den Rechtschaffenen und den später entstandenen Schächten entwickelte sich zuerst ein Klima gegenseitiger Abneigung, da Letztere sich entweder aus Aussteigern / Unzufriedenen der Rechtschaffenen bildeten (eine andere Bruderschaft gab es ja nicht), oder einfach weil die Rechtschaffenen ungern Ihre Einzelstellung aufgaben.

Das verletzte die berufliche Eintracht und gewerkschaftliche Solidarität. Bedauerlicherweise führte die steigende Rivalität zu Auseinandersetzungen und blutigen Schlägereien.

Mittlerweile, und nicht zuletzt durch die Zusammenarbeit der verschiedenen Schächte in der CCEG, ist daraus eine konstruktive Rivalität geworden, basierend auf Respekt und Akzeptanz.

Seit vielen Jahren geben die rechtschaffenen Maurer und Steinhauer auch den Gesellen des Bau- und Baunebengewerbes, die keine eigene Zunft haben oder deren Zünfte und Bruderschaften in den Zeitenläufen aufgehoben wurden, eine zünftige Heimat.

Mit besonderem Stolz sind dabei auch uralte zünftige Gewerke wie das des Schmiedes inkorporiert worden.

Unsere Bruderschaft mit ihrem geheimen Ritual, dessen Sprache und Inhalt von besonderer Ausdruckskraft und Schönheit sind, möchte auch eine Alternative zum Zeitgeist sein und sich bemühen, die seit Jahrhunderten ungebrochene geschichtliche Kontinuität zu wahren.