Rolandsschacht

Die Geschichte der Rolandsbrüder

Um 1880 machten sich einige Gesellen der reisenden Maurerzunft Gedanken, alle Bauhandwerker in einer gemeinsamen Zunft zu vereinen.

Sie nannten sich untereinander „Rolandsbrüder“. Es waren fast alles Maurer aus Bremen, die auf Wanderschaft waren. Sie trafen sich nach der regelmäßigen Versammlung ihrer Zunft in Gesellschaftszimmern bestimmter Gaststätten und banden dort eine blaue Ehrbarkeit ein. Dies belegt ein Bild mit der Überschrift:

"Vivat, es leben die Rolandsbrüder in Flensburg 1883"

Es dauerte bis 1891, um der Bruderschaft einen offiziellen Namen und Statuten als nicht eingetragener Verein zu geben. Am 1. Mai 1891 in Nürnberg im „Roten Ross“, der heutigen Nobelherberge „Irrer Elch“, fand dann die Gründungsversammlung unter Leitung des Rolandsbruders Eduard Münster statt. 

Am Gründungstag waren 25 Rolandsbrüder anwesend, wie auf dem Gründungsbild zu sehen ist. Von diesen Gesellen wurde eine reformierte Zunft für alle Gleichgesinnten mit Leben erfüllt. Während der diktatorischen Regierungen in Deutschland befand sich der Rolandschacht im Untergrund und sicherte so den Fortbestand der Bruderschaft. Die braune Ehrbarkeit, die uns die Nazis verordnen wollten lehnten die Rolandsbrüder ab.

Durch nachfolgende Kriege wurden die Reihen im Rolandschacht immer wieder empfindlich gelichtet. Viele Gesellen kamen aus dem Krieg nicht zurück. Dennoch ließen sich die Rolandsbrüder nicht unterkriegen. Nach beiden Weltkriegen wurde immer wieder ein Neuanfang gemacht. Der 1. Kongress nach dem letzten Weltkrieg fand bereits im Mai 1949 in Hamburg statt.

Nach dem unblutigen Umsturz von der kommunistischen Diktatur und dem Ende der DDR 1989, erlebte der Rolandschacht eine Hochkonjunktur. Da der Zentralleiter (Werner Kirscht, einheimischer Rolandsbruder) in Leipzig beheimatet war, gingen überdurchschnittlich viel Sachsen auf Wanderschaft und verstärkten unsere Reihen.
Bis zu 100 reisende Handwerker waren im Rolandschacht in letzter Zeit auf Wanderschaft. Allerdings ist durch den Rückgang in der Ausbildung ein derzeitiges Nachlassen in der Wanderlust zu verspüren.

Das 116-jährige Bestehen unserer Bruderschaft in diesem Jahr, lässt uns zu der Überzeugung kommen, dass alle Rolandsbrüder und der gesamte Rolandschacht gemeinsam das 21.Jahrhundert meistern werden.

Die Freiheitsfigur des Rolands und sein Eintreten für die Gerechtigkeit, wird immer unser Vorbild sein. Der Leitspruch unserer Bruderschaft, der von großer Wichtigkeit geworden ist, lautet:

"Treue, Freundschaft, Brüderlichkeit, vereint uns Rolandsbrüder alle Zeit."

Nach diesen Worten versuchen wir in unserer Bruderschaft zu reisen und wie unter Brüdern zu leben.

Im Rolandschacht werden unverheiratete, männliche und schuldenfreie Zimmerer, Maurer, Steinmetze, Tischler, Dachdecker, Steinsetzer, Betonbauer und Holzbildhauer nach einer Aspirantenzeit aufgenommen.

Die Gesellen sollten nicht älter als 27 Jahre und Mitglied einer Gewerkschaft sein.

Während ihrer Reisezeit von drei Jahren und einem Tag, dürfen sie den Bannkreis von 60 km um ihren Heimatort nicht betreten.

 

Zu erkennen sind die Rolandsbrüder an der blauen Ehrbarkeit mit der goldenen Handwerksnadel. Außerdem schmücken sich die Rolandsbrüder mit blauen Biesen an der Kluft.